Eine Weltreise als Familie planen – wo fange ich an?

Rund 372 Tage sind wir mit unseren Zwillingen durch die Welt gereist. 372 Tage voller Abenteuer, neuen Eindrücken, kulinarischen Höhenflügen, Sonnenschein und ganz viel Liebe. Doch wie kommt man eigentlich dazu diesen Schritt zu gehen? Und welches Mass an Vorbereitung und Organisation erfordert eine Weltreise?

Kosten
Hands down wohl der wichtigste und kritischste Punkt überhaupt. Gemäss Bundesamt für Statistik zählen wir als 4 Köpfige Familie mit unseren beiden Einkommen zur unteren Mittelklasse. Wir besitzen 1 Auto, sind Nichtraucher und legen Wert auf qualitativ hochwertige Lebensmittel. Ich gebe praktisch kein Geld für «Frauenkram» (gemäss Vorurteil) aus: mir sind Kleidung und Kosmetikartikel nicht wichtig, zudem trage ich keinen Schmuck und schneide mir – wenn’s sein muss – die Haare auch mal selbst. Unsere Hobbys sind nicht übermässig teuer, unsere Telefone mehrere Jahre alt und wir gehen zwar gerne Essen, versuchen aber das im Rahmen zu halten.  

Wir sind wohl das, was man allgemein als «erfahrene Reisefüdlis» bezeichnet. 2019 haben wir erstmals unsere Rucksäcke gefüllt, sind mit den Kindern nach Kolumbien geflogen und innerhalb von 6 Monaten bis nach Guatemala gereist. Diese 6 Monate intensivster Familienzeit war gleichermassen fordernd wie fördernd. Dem entsprechend hatten wir bereits damals beschlossen, das wir als Familie zusammen die Welt auch weiterhin so entdecken wollen. Mit dem klaren Ziel vor Augen 2025 wieder los zu ziehen haben wir also 5 Jahre lang gespart und unseren Lebensstil trotzdem mehr oder weniger beibehalten können. Die grösste Veränderung bereits vor 2019 war die Analyse unserer monatlichen Ausgaben und die darauf folgende Einführung des Menüplans. Einmal wöchentlich setzen wir uns zusammen, studieren das Aktionsangebot der Schweizer Supermärkte und planen unsere Abendessen entsprechend. Das hält sowohl das Hungry Shopping im Rahmen wie auch den Foodwaste, weil impulsiv gekaufte Lebensmittel nicht plötzlich im Kühlschrank verderben. Natürlich kommen weiterhin Impulsivkäufe und Planänderungen vor, aber das Portemonnaie (und die Umwelt) dankt die vorausschauende Menüplanung. Mit etwas Flexibilität im Menüplan lohnen sich auch Apps wie «to good to go».

Die Einführung eines separaten Kontos kann auch helfen ein Sparziel besser zu erreichen. Auch nach dieser Reise wird weiterhin ein fixer Betrag monatlich auf unser «Reise- und Steuern»-Konto gehen. Zahlungen und Abhebungen ab diesem Konto erfolgen strikt nur für diese Zwecke. 

Unsere Mietwohnung haben wir in beiden Fällen über das Portal vom Untermietservice (ums.ch) untervermietet und so sicher gestellt, dass die Wohnungsmiete nicht an uns hängen bleibt. Natürlich muss ein gewisser Aufwand betrieben werden, damit das funktioniert. Ein erstes gründliches Aufräumen und Putzen um Fotos machen zu können, die Ausschreibung auf dem Portal und (mit etwas Glück) die Auswahl des richtigen Untermieters. Sobald ein Vertrag unterschrieben ist und die Reise ansteht, muss «nur» noch die Wohnung untermietertauglich gemacht werden, was in etwa den Vorbereitungen eines Umzugs entspricht. Gerade bei Kindern gibt es unglaublich viel, was nach einer längeren Reise nicht mehr «cool» genug oder passend ist: Spielzeug, Bücher, Puzzles und Kleidung bringt man am besten in die Kinderkleiderbörse und macht so noch ein paar Fränkli gut. Auch wir haben die Gelegenheit gepackt und ordentlich ausgemistet, alles was bleiben durfte, wurde gut verpackt im Keller verstaut oder im Falle von persönlichen Unterlagen bei einer Vertrauensperson gelagert. 

Kinder & Reisen
Bei unserer ersten Langzeitreise waren die Kids 3,5 jährig und somit noch nicht schulpflichtig, was vieles einfacher machte. Zum einen war die Welt der Kinder um einiges kleiner und beschränkte sich im wesentlichen auf die enge Familie, zum andern mussten wir uns noch keine Gedanken um Schule und Lernen machen. 

Im August 2025 wären unsere Kinder mit 9 Jahren in die 4. Klasse gekommen. Homeschooling ist im Kanton Zürich als formeller Privatunterricht legal, unterliegt aber gewissen Bedingungen: von Anmeldung über Gruppengrössen bis hin zu Lernzielen und Kontrollen des Volksschulamts. Da wir diese Bedingungen definitiv nicht erfüllen konnten, haben wir im Frühling 2025 unsere Kinder vom Unterricht der Regelschule abgemeldet. Auch den Wiedereintritt im August 2026 konnten wir bei Abmeldung direkt angekündigen. Mit der Schulabteilung unserer Gemeinde haben wir sicher gestellt, dass die Einstufung und Klassenzuteilung der Kinder fürs Schuljahr 2026/27 korrekt erfolgen wird. Das ging alles relativ unkompliziert und ohne Gegenwehr der Schule. Schwieriger war es hinsichtlich Unterrichtsmaterial, denn anders als im Homeschooling werden bei einer Abmeldung keinerlei Lehrmittel oder Lehrpläne abgegeben. Möchte man seine Kinder nicht selbst unterrichten (ich kann jeden absolut verstehen, der das nicht will) gibt es durchaus spannende Online Lösungen, die allerdings auch ihren Preis haben. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns dazu entschieden die Kinder selbst zu unterrichten und haben uns die benötigten Lehrmittel und Pläne auf anderen Wegen organisiert. Während der Reise haben wir durchschnittlich etwa 90 Minuten täglich Schule gemacht und den Fokus dabei vor allem auf Mathematik und Englisch (gemäss Lernplan) gelegt. Je nach Reiseziel und Umgang mit Einheimischen verbessern sich die fremdsprachlichen Fähigkeiten rapide. Da wir auf Reisen praktisch ohne TV lebten ist die Anzahl gelesener Bücher bei allen Familienmitglieder exponentiell angestiegen, zudem durften unsere Kinder ein wunderschönes Ledertagebuch mit all ihren Erfahrungen und Gedanken während dieser Reise füllen und haben so ganz nebenbei auch den Deutschunterricht abgehandelt. 

Budgetierung:
Wieviel Geld effektiv benötigt wird hängt stark davon ab wohin und wie man reist. Wir nächtigen generell weniger in Hotels oder Resorts, sondern bevorzugen kleine authentische Häuser mit der Möglichkeit zur Selbstversorgung. Gemäss KI kann man als vierköpfige Familie bereits mit ca.  40’000.- CHF eine Weltreise machen, nun das deckt sich nicht so wirklich mit unseren Ausgaben. Wir haben für dieses Reisejahr tatsächlich mit fast dem vierfachen davon gerechnet. Dabei haben wir ein Tagesbudget von 225.- CHF für Unterkunft, Essen, Transport und Ausflüge festgelegt. Für die Kosten für internationale und domestic Flüge bestand ein separates Budget von ca. 25’000.- CHF. Verbringt man einen Grossteil der Reise im Asiatischen Raum, kommt man mit einem solchen Budget natürlich wesentlich länger aus, als wenn man durch Australien, Neuseeland, den Südpazifik oder Nordamerika reist. Um einen Überblick zu behalten lohnt es sich eine Tracking App zu installieren. Von unserer Reise durch Lateinamerika hatten wir noch die App «Trail Wallet», mit der wir sehr zufrieden waren. Leider ist diese nicht mehr verfügbar und wird nicht mehr aktualisiert, funktioniert aber im wesentlichen trotzdem noch wenn man diese bereits heruntergeladen hat. Die Auswahl an Alternativen ist jedoch gross. Wichtig ist uns eine App, welche das Erstellen von Kategorien, die Eingabe und Aktualisierung von Wechselkursen sowie Start- resp. Enddatum und die Eingabe des Tages und/oder Tripbudgets erlaubt. Gemäss Auswertung haben wir die Hälfte des Budgets für Unterkünfte, ein Viertel für Essen & Einkaufen (notwendiges, nicht Shopping), und knapp ein Sechstel für Transportkosten (Mietwagen, Tuk Tuk, Fähre, Bus, etc.) ausgegeben. Auch während der Reise haben wir wenig unnötiges eingekauft und den Fokus auf Erlebnisse gesetzt. Bei Aktivitäten und Unterkünften gibt es ein grosses Sparpotential, wenn man sich abseits der beliebten Touristenpfade zurecht findet. Eine weitere Möglichkeit günstiger und authentisch Land und Leute kennen zu lernen ist die Freiwilligenarbeit mit Programmen wie WWOOF, Workaway und HelpX oder auch Housesitting. Die zwei Wochen wwoofen auf den Farmen in Australien gehören bei allen Familienmitgliedern zu den Highlights dieser Reise. 

Wir haben unser gesetztes Budget tatsächlich um 3.- CHF pro Tag überschritten, was hauptsächlich an längeren Aufenthalten in teureren Ländern liegt. Zudem wollten wir bewusst nicht auf gewisse Erlebnisse und Reiseziele verzichten, denn so bald kommen wir wohl nicht in diesen Teil der Welt. Und schlussendlich war es jeder ausgegebene Rappen wert!

Job:
Offenheit und Ehrlichkeit sind nach unserer Erfahrung wichtige Punkte wenn es darum geht beim Arbeitgeber einen unbezahlten Urlaub raus zu schlagen. Wir haben beide über ein Jahr vor geplanter Abreise mit dem Arbeitgeber kommuniziert und geplant. Stellvertretungen gesucht und eingearbeitet und so sichergestellt, dass unsere Abwesenheit für den Arbeitgeber ohne negative Folgen bleibt. Natürlich gibt es Arbeitgeber oder -stellen, bei der ein UU nicht möglich ist. Ausserdem besteht auch auf Reisen ein Restrisiko, dass trotz UU Vereinbarung die verrmeindlich gesicherte Arbeitsstelle nicht mehr verfügbar ist. Ich wage aber zu behaupten, dass wir mit der Schweizerischen Arbeitslosversicherung gut genug aufgestellt sind um eine allfällige Arbeitslosigkeit nach der Rückkehr abzufangen. 

What else:
Nebst all dem offensichtlichen gibt es das eine oder andere was sonst noch beachtet werden sollte. Ein Unbezahlter Urlaub oder eine Arbeitslosigkeit durch längere Reisen erfordert eine Verlängerung der obligatorischen Nichtberufsunfallversicherung des Arbeitgebers. Die sogenannte Abredeversicherung kann bis zu sechs Monate verlängert werden und bietet den gewohnten UVG Unfallschutz, der oft günstiger und leistungsstärker ist als die Unfallversicherung über die private Krankenkasse. Nach Ablauf der Maximaldauer empfiehlt es sich, die Unfallversicherung in die private Krankenkasse einzuschliessen. Ausserdem haben wir bei der Gemeinde das Formular zur temporären Landesabwesenheit ausgefüllt, weil wir sicher stellen wollten, dass das mit der Wiedereinschulung reibungslos klappt. Eine Wiederanmeldung nach Rückkehr ist notwendig und kann ganz einfach per Email erfolgen.

Fazit
Das klingt alles erstmal nach viel Arbeit und Organisation und wirkt etwas abschreckend, ist den Aufwand aber absolut wert! Zwischen der Entscheidung eine Langzeitreise anzutretten und dem Abreisedatum liegen in der Regel Monate, wenn nicht sogar Jahre und mit etwas Geduld und Durchhaltewillen gewöhnt man sich an Sparmassnahmen. Wir sind übrigens mit 340.- CHF Restguthaben auf unserem Reisekonto nach Hause gekommen. Ob wir wieder 5 Jahre lang sparen, den ganzen Aufwand auf uns nehmen und durch die Welt reisen würden? Ja, absolut! Die nächsten Pläne schweben bereits in unseren Köpfen herum! 

Für Fragen zu Welt- und anderen Reisen stehen wir euch jederzeit gerne zur Verfügung. Schreibt uns einfach über unser Kontaktformular.

webook.ch - Reisen aus Leidenschaft Travelagent Webook

webook.ch - Reisen aus Leidenschaft

Wir kümmern uns um Ihre Reise. Ganz persönlich. webook.ch ist ein unabhängiges Online-Reisebüro. Wir beraten Sie persönlich vor, während und nach der Reise. Wer wir sind, sehen Sie auf unserer Team-Seite. webook.ch GmbH ist Mitglied der TPA Association, über die Ihre Kundengelder bei Pauschalreisen abgesichert sind.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner